„Notfalls mit Händen und Füßen“

Münster - 160 Integrationsunternehmen gibt es derzeit in Westfalen-Lippe, in den rund 2000 Menschen mit Behinderung arbeiten. Viele Unternehmen stellen sich auf der eintägigen Messe in Münster vor. Zahlreiche Mitarbeiter mit Handicaps haben interessante Karrieren vorzuweisen.

Die Verständigung klappt prima. Stefanie Salewski ist gehörlos, redet dafür mit Händen und Füßen. Ihre Chefin Birgit Honvehlmann schwärmt von der Arbeit ihrer Floristin: „Sie bindet fantastische Sträuße.“ Die Mitarbeiterin ist immer dabei, wenn das Floristenteam bei allen Heimspielen von Borussia Dortmund die VIP-Lounges in Schwarz und Gelb dekoriert.

„Da steckt Herzblut drin“, sagt Honvehlmann. Viele dieser blühenden Kunstwerke brachte das Team zur LWL-Messe der Integrationsunternehmen am Mittwoch mit in die Halle Münsterland.

Schluss mit dem Schattendasein

Mehr als 100 Aussteller präsentierten sich bei der vierten Veranstaltung. Ziel sei es, sagt der LWL-Referatsleiter Michael Schneider, die Integrationsunternehmen aus dem Schattendasein zu holen. Verstecken muss sich in der Tat kein Betrieb. Die Messe in dieser Form, betont LWL-Direktor Matthias Löb zur Begrüßung, sei bundesweit die einzige dieser Art.

Die Chance, sich auf dem Marktplatz zu zeigen, nutzt das Hotel am Wasserturm in Münster, das die Alexianer als  Integrationsunternehmen betreiben. Francesca Heying und Katharina Becker, beide haben ein Handicap, berichten über ihre Arbeit im Service. Er sei am Anfang ein bisschen hilflos gewesen, blickt Hoteldirektor Bernd Kerkhoff zurück, aber die Unsicherheit im Ungang mit den Menschen mit Behinderung hat sich längst gelegt.

Freunde über die Chancen

„Die Zusammenarbeit klappt gut.“ Genauso gut wie bei dem Integrationsunternehmen „Lernen Fördern Dienstleistungen“. Andreas Schmalbrock ist eigentlich gelernter Beikoch, aber seit zehn Jahren bei „Lernen Fördern“. Der 32-Jährige sei derjenige im Betrieb, der die Messetermine früher als seine Chefs kennt.

Schmalbrock freut sich, dass er seine Arbeit zeigen kann. Mit dabei ist auch Steffen Sachs. Der gelernte Fluggerätemechaniker klebt gepresste Sandmodelle zusammen, die später in der Metallgießerei ausgegossen werden. Der 27-Jährige war nach einem Autounfall nicht mehr in der Lage, seinen alten Beruf auszuüben. Er freut sich über die Chance, sagt er.

Oft mangelnde Sensibilität

Einzig ein Parkwächter vor der Halle sollte noch einmal vor Beginn einer Messe für Integrationsunternehmen geschult werden. Als nämlich Lars Lippenmeier, Fachrefrent Inklusion beim Paritätischen und ebenfalls ein Mensch mit Behinderung, mit seinem Fahrzeug einen Parkplatz dicht am Eingang suchte, sagte der Parkwächter, es sei alles voll. „Was aber nicht richtig war“, stellte Lippenmeier fest. „Da mangelt es wie so oft an Sensibilität“, betont der Fachreferent.

Quelle: Westfälische Nachrichten, 01.03.2017